Am Anfang findest du die Lösung. Zurück zu den Wurzeln.

Am Anfang findest du die Lösung.

von Winnie | Klarheit und Achtsamkeit

Nov 30
Am Anfang findest du die Lösung.

Wenn ein Seil verwickelt ist, wie fängst du an diesen Knoten zu lösen? Ziehst du irgendwo in der Mitte oder suchst du den Anfang? Wahrscheinlich nimmst du dir ein Moment Zeit und versuchst ein Ende des Seils zu lokalisieren.

Nicht nur den Knoten im Seil kannst du so lösen, sondern auch viele Probleme im Alltag sind mit dieser Vorgehensweise positiv zu beeinflussen. 

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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Hermann Hesse

Hermann Hesse ermuntert uns, uns mit dem Neuanfang anzufreunden. Einerseits, weil der Wandel unaufhaltsam zum Leben gehört und andererseits, weil gerade dieser Wandel uns lebendig hält. Dieser Neuanfang bietet dir sowohl Chancen als auch Herausforderungen.

Wenn du dich bewusst entscheidest etwas Neues anzufangen, wirst du viel Aufmerksamkeit in dein Projekt investieren. Du brennst dafür und hast Freude, weil es endlich so weit ist. Du versuchst die Weichen richtig aufzugleisen und hast ein Auge für jedes Detail. Du kannst es fast nicht aushalten, bis dein Projekt die nötige Dynamik entwickelt und durchstartet.

Möglicherweise hast du ein wenig Bedenken, weil es ein Schritt ins Unbekannte ist und du nicht abschätzen kannst, wie sich alles entwickeln wird. Daher wirst du so gut wie möglich, fast akribisch diese Entwicklung im Auge behalten. Wie du mit diesem Thema umgehen kannst, habe ich in diesem Blog erwähnt.

Viele Neuanfänge kommen schleichend und genau das entzieht sich deiner Aufmerksamkeit. So wie ein Samen erst Wurzeln schlagen muss um zu wachsen. Seine Wurzeln wachsen in die Erde. Dieser Prozess ist mit blossem Auge nicht sichtbar.

Viele Veränderungen entstehen schleichend.

Wenn eine Veränderung klein anfängt und nicht wirklich störend (oder erfreulich) ist, ignorieren wir diese. Auf diese Art und Weise wird sich eine Veränderung etablieren. Sie wird normal und nimmt stets mehr Raum ein.

Dazu einige Beispiele:

  • Du hast ein leichter Schmerz in deinem rechten Fuss und du fängst an dich schonend zu bewegen. Mit der Zeit vergeht dieser Schmerz und du fühlst dich wieder normal. Dein Körper allerdings hat dieses angepasste Bewegungsmuster erlernt und bewegt sich weiterhin schonend ohne das du es merkst. Auf Dauer kann dies zu weiteren Verspannungen und einer Schonhaltung führen.
  • Immer wenn du einen Gymnastikkurs besuchst, leitet die Kursleiterin dich an deinen Kopf etwas mehr nach links zu verschieben, weil du schräg liegst. Du aber hast das Gefühl, das dein Kopf perfekt in der Mitte ist.
  • Deine beste Freundin kann nichts mit deinem Partner anfangen. Jedesmal wenn du ihr von den letzten Auseinandersetzung erzählst, fühlt sie sich bestätigt in ihrem Bild. Sie wird dein Partner diesbezüglich mit Sicherheit angreifen. Eigentlich willst du nur Verständnis und stattdessen fühlst du dich gezwungen ihn zu verteidigen. Früher oder später wirst du ihr diese Geschichten nicht mehr erzählen und möglicherweise lebt ihr euch dann immer mehr auseinander.
  • Am Morgen hast du Mühe rechtzeitig aufzustehen, um ohne Stress pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. Irgendwann ist dir die Hektik zu viel und du kommst ein wenig zu spät an die Arbeit. Dein Chef merkt es nicht und deine Arbeitskollegen sind sehr tolerant. Du nimmst dir immer mehr zeitliche Freiheiten heraus, bis irgendwann das Ganze auffliegt. Dein Chef ist mehr als sauer und du hast Glück nach diesem Vorfall, das du deinen Arbeitsplatz behalten kannst.
  • Wenn du traurig bist, isst du am liebsten Schokolade. Deine Lebensumstände sind momentan sehr herausfordernd und deshalb steigt dein Schokoladenkonsum. Du wirst allmählich ein wenig runder, hast weniger Lust dich zu bewegen und deine Figur leidet weiter.

Diese Beispiele sind vereinfacht und doch ist es leicht nachzuvollziehen, dass kleine Anpassungen auf Dauer grosse Folgen haben können.

Auch Probleme fangen klein an.

Du schaust erst hin, wenn der Druck unerträglich wird und du die Situation nicht mehr ignorieren kannst. Wenn es brennt ist es oft nicht einfach die Ursache herauszufinden. Primär geht es darum die akute Lage zu entspannen.

Du hast Angst deine Arbeitsstelle zu verlieren oder das dich dein Partner verlässt. Du hast extrem starke Schmerzen und kannst dich kaum noch bewegen. Dein Herz tanzt aus der Reihe und hat Rhythmusstörungen. Du fühlst dich eingeengt durch deine Lebensumstände usw.

Überprüfe mal selbst, wie oft hast du nicht hingeschaut? Hast du dich mit der Zeit nicht ein wenig gehen lassen oder deine eigenen Bedürfnisse zu wenig ernst genommen? Rückblickend kannst du einfacher erkennen, das du manche Warnsignale überhört hast. Mehr zu diesem Thema findest du in folgendem Blog "Wege aus der Routinefalle für mehr Abenteuer im Alltag".

Warum hat das Problem angefangen?

Mit dieser Frage findest du die Lösung. Es sind die kleinen alltäglichen Entgleisungen, die auf Dauer zum Problem werden, da sie sich deiner Aufmerksamkeit entziehen.

Nach der ersten Schadensbegrenzung ist es wichtig die Ursache herauszufinden. Oft gibt es nicht einen offensichtlichen Grund, sondern mehrere Faktoren die sich gegenseitig verstärken.

Die vorherigen Beispiele kannst du auf diese Art analysieren.

  • Du hast Rückenschmerzen. Während der Behandlung spürst du, das diese Schmerzen eine Reaktion auf die Unbeweglichkeit deines rechten Fusses sind. Wird der Fuss beweglicher, dann vergehen auch deine Rückenschmerzen.
  • Dank dem regelmässigen Feedback deiner Gymnastiklehrerin fängst du an deine Kopfhaltung im Alltag zu beobachten. Du merkst, dass du im Gespräch deinen Kopf zum Gegenüber drehst, um besser hinzuhören. Ein Hörtest zeigt eine Einschränkung deines Gehörs auf.
  • Irgendwann stellst du fest, dass du den Kontakt zu einigen Freuden abgebrochen hast. Die Ursache, die andauernde Kritik an deinem Partner. Jetzt fehlt dir der Austausch und es macht dich traurig. Du realisierst dich, dass du in deiner Beziehung nicht glücklich bist und es dir vorher nicht eingestehen könntest. Daher bist du bei vielen Freunden auf Distanz gegangen.
  • Du kannst deine Arbeit nicht mehr korrekt erledigen und manches bleibt zulange liegen. Der Tag hat einfach zu wenig Stunden. Deine Analyse ergibt, dass du tendenziell abends zu spät ins Bett gehst und morgens nicht erholt bist. Um rechtzeitig aufzustehen ist es wichtig deine Prioritäten zu hinterfragen und deinen Zeitplan neu aufzugleisen. 
  • Du passt nicht mehr in deine Kleider und fühlst dich unattraktiv. Das ständige Naschen von Süssigkeiten hat massgeblich zu deinen neuen Rundungen beigetragen. Du fängst an dich zu beobachten und bekommst ein Gefühl dafür, wann du naschest. Welche Gefühle und Emotionen hängen mit dem Bedürfnis nach Schokolade zusammen? Dieses Hinschauen hilft dir anders mit gewissen Situationen umzugehen und Klarheit zu schaffen. Langsam fängst du an anders zu reagieren.

Mehrere Faktoren verstärken sich gegenseitig.

Das Tolle ist, das du mit dieser Herangehensweise mehrere Hebeln zur Verfügung hast. Viele kleine Mosaiksteinchen tragen zum Gelingen oder zum Entgleisen der Situation bei. Probleme entstehen selten über Nacht.

Du kannst dort mit dem Gegensteuer anfangen, wo es dir am leichtesten fällt. Vieles trägt dazu bei, dass die kritische Masse überschritten wird. Es ist wie eine Wippe, wo das Gewicht verlagert wird. 

Kritische Masse

Die wirksamste Vorgehensweise.

Blicke in die Zeit zurück und überlege dir, wie dein Problem entstanden ist. Wichtig ist, hüte dich vor Schuldzuweisungen. Damals hast du nicht anders gewusst und nur schwer anders handeln können. Auch, wenn andere Menschen Mitschuld tragen ist es nicht etwas, das dich Richtung Lösung führt. Jetzt ist eine konstruktive Auseinandersetzung angesagt.

Identifiziere schonungslos die Ereignisse und dein Verhalten. Was hättest du besser machen können? Sei dir im Klaren, es hat meistens klein angefangen und sich langsam ausgebreitet.

Ein guter Ansatzpunkt ist zu hinterfragen, wo du besser NEIN gesagt hättest. Nein zu deiner Bequemlichkeit, Nein zu Menschen in deinem Umfeld, Nein zu deinem Bedürfnis ständig Neues anzufangen, statt Bekanntes weiter zu entwickeln usw.

Wenn du mehrere Gründe für die momentane Lage entdeckst, umso besser. Jetzt hast du viele Möglichkeiten, um erfolgreich einen Kurswechsel in die Wege zu leiten. Fange dort an, wo es dir am leichtesten fällt.

Fazit:

Jeder Neuanfang bietet dir sowohl Chancen und als auch Herausforderungen. Wenn du dich bewusst entscheidest etwas Neues anzufangen, wirst du viel Aufmerksamkeit in dein Projekt investieren.

Viele Veränderungen hingegen entstehen schleichend. Es sind die kleinen alltäglichen Entgleisungen, die auf Dauer zum Problem werden, da sie sich deiner Aufmerksamkeit entziehen.

Die wirksamste Vorgehensweise: Blicke in die Zeit zurück und überlege dir, wie dein Problem entstanden ist.  Wenn du mehrere Gründe für die momentane Lage entdeckst, umso besser. Fange dort an, wo es dir am leichtesten fällt.

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