Ankommen im Zwischenraum
Vor einigen Wochen bin ich aufgewacht
und befand mich im Zwischenraum.
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Unbekannt – ja.
Aber nicht wirklich.
Neu – nein.
Nicht ganz.
Doch dieses Mal: bewusst wahrgenommen.
Ich war verloren,
weil meine gewohnte Orientierung fehlte.
Ich schaute mich um,
und alles war anders.
Meine Körperwahrnehmung sortierte neue Eindrücke.
Meine Sinne konnten vieles nicht mehr einordnen.
Meine Gefühle waren konfus.
Meine Gedanken überfordert.
Über Nacht hatte sich eine neue Welt geöffnet.
Es war,
als hätte jemand alle Strassenschilder entfernt.
Wenn Regulation beginnt
Meine gewohnten Strategien, um zu verstehen, versagten.
Ich war in einem Zustand, der sich nicht einordnen liess.
Nichts griff.
Ich wusste nicht weiter.
Und wie so oft tat ich das,
was ich immer tue:
Ich wandte mich meinem Atem zu.
Ich spürte nach innen,
indem ich meinen Atem lenkte
und das Denken zunächst ruhen liess.
Mein Atem begann, sich auszudehnen.
Die Ausdehnung traf auf Grenzen.
Und mit sanftem, leisem Hineinhören
ging ich über diese Grenzen hinaus.
Raum entstand.
Meine Emotionen legten sich.
Es war wie ein Ruhepunkt.
Veränderungen im Körper
Langsam, in den folgenden Wochen,
begann ich Veränderungen wahrzunehmen –
vor allem in meinem Körper.
Spannungen verschwanden und kamen wieder.
Alte, längst vergessene Schmerzregionen meldeten sich
und wurden nach einer Weile ruhiger.
Alles war in Bewegung.
Und ist es bis heute.
Und doch wurde es langsam stiller.
Beweglichkeit entstand.
Begleitet von Momenten der Instabilität.
Ich begann, sanft mit mir umzugehen.
Meine Grenzen zu respektieren.
Ich staune über das, was möglich ist.
Über die Art, wie sich mein Körper verändert.
Und wie ich mich darauf einlasse –
mit Demut und Dankbarkeit.
Lange war mein Glaubenssatz:
Älterwerden bedeutet Einschränkung.
Heute spüre ich:
Das muss nicht zwangsläufig so sein.
Eine innere Unruhe,
die mir lange nicht bewusst gewesen war,
ist verschwunden.
Ich habe es erst bemerkt,
als sie nicht mehr da war.
Innerlich ist es still geworden.
Ein Resonanzraum für alles, was da ist.
Ohne Grundrauschen.
Stille.
Raum.
Ich bin viel mehr bei mir.
Vertrauen lernen
Jetzt, dort, wo ich mich im Moment befinde,
bin ich im Vertrauen.
Das, was sich zeigt,
ist ein Zeichen von Wandel.
Von einem Prozess,
der in mir stattfindet.
Regulation braucht Zeit.
Sie ist der Schlüssel
zu mehr innerer und äusserer Ruhe.
Zu mehr Freiheit.
Wenn ich nicht reguliert bin,
läuft vieles reaktiv ab.
Dann bin ich nicht wirklich
in meiner Mitte.
Ich habe lange nicht erkannt –
als Mensch und auch als Therapeutin –
dass Regulation auf der tiefsten Ebene
unseres Seins beginnt.
Die Basis liegt in uns.
Auf Zellebene.
Dort beginnt alles.
Erst dann
kann Ordnung entstehen.
Ich habe lange geglaubt,
dass ich mit Willenskraft
und Manifestieren alles beeinflussen kann.
Heute spüre ich:
Der Schlüssel liegt darin,
meinen Prozessen Zeit zu geben
und bei der Basis zu beginnen.
Ein tragfähiges Fundament
entsteht nicht schnell.
Es wächst.
Vertraue deinem eigenen Weg.
Und erlaube dir,
dich auf deinen Prozess einzulassen.
Es lohnt sich.
