März 19

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Nicht alles lässt sich mit Willenskraft lösen

 Winnie


Viele Jahre habe ich gearbeitet, ohne zu merken, wie viel innere Unruhe in mir war.

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Eine Unruhe, die ich lange nicht kannte

Wenn ich behandelt habe, war ich ganz bei meinen Klienten.
Eine Behandlung ist für mich wie eine Meditation.
Ich konzentriere mich auf den Körper des anderen – und dieser Zustand heilt auch mich ein wenig.

Das hat mich lange getragen.

Vielleicht hat es auch manches überdeckt.

Denn die innere Unruhe selbst habe ich erst bemerkt, als sie nicht mehr da war.

Rückblickend würde ich sie als ein inneres Vibrieren beschreiben.
Fast so, als würde ein leichter Strom durch den Körper fliessen.

Damals war mir das nicht bewusst.

Und trotzdem gelang es mir, still zu sein und Raum zu halten – für andere Menschen.

Die erste Veränderung

Der erste Hinweis kam überraschend schnell.

Am zweiten Tag nach Beginn mit Omega 3 war mein Blutdruck plötzlich etwa 20 mmHg tiefer.
Einfach so.

Seitdem bewegt er sich auf einem Niveau, das ich früher trotz Medikamenten nie erreicht habe – auch wenn es für viele Menschen wahrscheinlich noch zu hoch wäre.

Für mich war es eine klare Veränderung.

Es war, als ob sich innerlich etwas verschoben hätte.

Doch wie ich es auch aus meiner Arbeit kenne:
Wenn etwas Unangenehmes weg ist, fällt es zunächst gar nicht auf.

Erst später merkt man, dass etwas anders ist.

Bei mir war es ein kleines, fast nebensächliches Detail.

Ich bemerkte, dass ich aufgehört hatte, an meinen Nägeln zu kauen.
Etwas, das ich vorher mit keiner Strategie verändern konnte.

Und erst in diesem Moment wurde mir klar, dass sich noch etwas anderes verändert hatte:

Ich fühlte mich ruhiger.

Als wäre ich mehr bei mir angekommen.

Eine Erkenntnis, die mein Weltbild verändert hat

Diese Erfahrung hat mein Weltbild verschoben.

Viele Jahre habe ich versucht, Veränderungen über Willenskraft zu erreichen.
Über Disziplin.
Über Methoden.

Ich habe meditiert, visualisiert und viele therapeutische Ansätze kennengelernt – auch in meiner Arbeit.

Ich habe Ausbildungen gemacht, unter anderem in Craniosacraltherapie und Traumabegleitung.
Ich habe viel über das Nervensystem gelernt.

Und doch habe ich etwas Entscheidendes nicht verstanden.

Rückblickend sehe ich, dass ich den Hebel immer auf einer höheren Ebene angesetzt habe.

Bei der inneren Haltung.
Bei dem, was wir bewusst beeinflussen können.

Aber kaum jemand hat mir wirklich erklärt, wie grundlegend die biologische Basis ist.

Erst jetzt wurde mir klar, dass ich selbst über lange Zeit in einer Art Überlebensmodus funktioniert habe – ohne es zu merken.

Diese Erkenntnis hat meine Wahrnehmung verändert.

Als Therapeutin.
Und als Mensch.

Sie hat mich auch fragen lassen, welchen Sinn meine Arbeit in dieser Form noch hat.

Eine neue Frage

Mir war immer wichtig, mein Wissen und meine Erfahrung möglichst lange weiterzugeben.

Mit der Zeit habe ich ein tiefes Vertrauen in meine Wahrnehmung entwickelt
und gelernt, diesen Impulsen zu folgen.

Und jetzt entdecke ich eine Ebene, die jenseits meiner bisherigen Vorstellungen liegt.

Eine Ebene, die nicht im Kopf beginnt,
sondern bei der Basis unseres Körpers.

Erst durch meine eigene Erfahrung habe ich verstanden,
wie entscheidend diese Grundlage ist.

Mit einer unausgeglichenen Basis
kann der Körper vieles gar nicht regulieren.

Diese Erkenntnis hat mein therapeutisches Verständnis noch einmal neu geordnet.

Ich begann mich zu fragen,
ob Behandeln weiterhin die sinnvollste Investition meiner Lebenszeit ist.

Zum ersten Mal spürte ich,
dass es vielleicht andere Möglichkeiten gibt, etwas Wesentliches zu bewirken.

Nicht über mechanische Impulse am Körper.

Sondern auf einer tieferen Ebene.

Und vielleicht auch freier –
unabhängig von Ort und Praxisraum.

Was für mich bleibt

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Prozess:

Nicht alles lässt sich mit Willenskraft lösen.

Heute verstehe ich, dass echte Stabilität nicht im Aussen beginnt.

Sie entsteht dort, wo sich alles zusammenfügt.

In der Regulation des Körpers.
In der biologischen Basis.

Erst wenn dort etwas ins Gleichgewicht kommt, wird es innerlich wirklich still.

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort,
wo die Grundlage wieder stimmt.

Und manchmal merkt man es erst, wenn die Unruhe verschwunden ist.

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