Manchmal macht mich der Zwang zur Selbstoptimierung müde.
Das Gefühl, mehr machen zu müssen. Mich zu optimieren. Ziele zu verfolgen, die, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht wirklich meine sind. Mich anzupassen, obwohl ich eigentlich etwas anderes möchte. Ehrlich zu sein mir gegenüber und das zu tun, was stimmig ist.
Und dann passiert etwas Interessantes.
Wenn ich langsamer werde und still bin, tauchen subtile Gefühle auf. Nicht laut. Fast unmerklich.
Ein Gefühl, nicht zu genügen.
Zu wenig zu tun.
Nicht alles zu geben.
Mich wichtiger zu nehmen als mein Umfeld.
Egoistisch zu sein.
Faul zu sein.
Mich gehen zu lassen.
Diese Stimmen kommen nicht von aussen. Niemand sagt mir das. Und doch sind sie da. Sie sind tiefer. Fast wie ein Echo.
Vielleicht begleiten sie uns schon seit unserer Kindheit..
Seit Generationen lernen wir, Leistung mit Wert zu verbinden. Nicht, weil unsere Eltern uns weniger geliebt hätten, sondern weil es das Muster unserer Gesellschaft ist.
Scham kann eine der subtilsten Formen der Anpassung sein.
Sie flüstert uns zu, wie wir sein sollten, um dazuzugehören. Sie macht uns gefügig, lange bevor wir es merken.
Unter der Scham liegt oft das Gefühl, nicht richtig zu sein. Nicht zu genügen. Anders zu sein.
Und vielleicht ist es genau dieses Anderssein, das wir so lange verstecken.
Doch irgendwann entstehen feine Risse.
Nicht weil wir mutiger werden müssen.
Nicht weil wir uns endlich verwirklichen wollen.
Sondern weil etwas in uns nicht mehr gegen die eigene Natur leben möchte.
Wie Haarrisse in einer Haut.
Langsam beginnt etwas sichtbar zu werden.
Ein Gedanke.
Ein Nein.
Ein Gedicht.
Ein Bild.
Ein ehrliches Gespräch.
Ein stilles Eingeständnis.
Kunst und Kreativität sind vielleicht nicht in erster Linie Talente. Vielleicht sind sie Ausdrucksformen.
Nicht:
Schau, was ich kann.
Sondern:
Schau, so nehme ich die Welt wahr.
Und vielleicht beginnt genau dort etwas Heilendes.
Nicht weil wir gesünder oder besser werden.
Nicht weil wir unser volles Potenzial entfalten.
Vielleicht geht es gar nicht darum, ganz zu werden.
Vielleicht genügt es, langsam ein bisschen mehr ich zu sein.
Nicht perfekt.
Nicht fertig.
Nicht authentisch im Sinn eines neuen Ideals.
Einfach weniger gegen mich.
Und ein bisschen mehr ich.
Vielleicht beginnt ein anderer Zwischenraum genau hier.

Wunderbar. Ich genüge nicht. Bin zu faul etc. alles alte Unwahrheiten die von Zeit zu Zeit auftauchen. Und dann ess ich Schokolade 😍
Liebe Gisela
Danke für deine Offenheit. ❤️ Diese alten Stimmen können erstaunlich ausdauernd sein. Allein sie zu erkennen, ist oft schon ein wichtiger Schritt. Und die Schokolade darf manchmal einfach dazugehören. 😊
Liebe Winnie
Danke für diese Worte. Ich habe mich an vielen Stellen wiedergefunden. Gerade dieser stille Druck, immer mehr sein oder leisten zu müssen, kann unglaublich erschöpfend sein. Du hast etwas in Worte gefasst, das oft nur als diffuses Gefühl da ist. Danke für deine Offenheit.
Liebe Sonja
Vielen Dank für deine wertschätzenden Worte. Es freut mich sehr, dass du dich in meinem Text wiedergefunden hast. Genau solche stillen Gefühle in Worte zu fassen, ist das, was ich mit meinem Blog erreichen möchte. ❤️